Tag 4: Die Reise in die Vergangenheit, zu den Pyramiden im Märkisch- Oderland

Wie unerwartet spannend solch eine Pilgerwanderung sein kann, das sollte mir heute wieder besonders bewusst werden.

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Der Tag begann mit einem wiiiirklich gutem Frühstück. Im Gegensatz zu den letzten Tagen, gab es reichlich Obst, Gemüse, Ei, Joghurt, Brötchen. Alles was das Herz begehrt. Gefährlich, denn vollgegessen läuft es sich schwerer, aber egal. Wir brauchten die Energie, 24km standen auf dem Plan.

Also, Rucksack auf und los. Erstmal durch Buckow durch, ein wirklich schönes Städtchen. Hab ich eine gute Wahl zur Übernachtung getroffen. (Selbstlob stinkt, ich weiß 😉 ) Schließlich führte der Weg in den Wald. Es war wirklich matschig und zum Teil lagen große, abgeknickte Bäume über den Wegen. Wir folgten heute erstmal dem Schild mit „blauem Punkt auf weißem Grund“ und sollten erst später wieder auf den Jakobsweg treffen. Ich musste die Route etwas umlegen, sodass wir auch von der Streckenlänge hinkommen. Wir müssen ja nichts übertreiben.

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Der Regen sprühte immer wieder meinen Poncho nass, es war aber auszuhalten. Nur das „Aus- und Anziehen“ war etwas blöd. Einige Kilometer liefen wir über alte Kopfsteinpflaster. Ich fragte mich, ob hier wohl früher Kutschen drüber gefahren sind? Die Frage stelle ich mir irgendwie des Öfteren. Welche Geschichte könnte mir wohl dieser Baum oder diese Kirche erzählen? Wen hat sie alles gesehen und was hat sie erlebt? Und nun stehe ich im 21.Jhd. davor. Spannend und doch unvorstellbar. Was wohl in 100 Jahren sein wird? Ja, Gedanken, die so beim Pilgern bei mir aufkommen.

Nach einigen Stunden (Zeit wird relativ nach einer Weile), kamen wir im kleinen Ort Garzau an. Der Weg führte über eine Abzweigung weg von der Hauptstraße. Das wunderte mich etwas, aber ich sollte einige Minuten später genau wissen, warum.

Zurück in die Vergangenheit.

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Nach ein paar Metern durch den Wald, kamen wir plötzlich an eine Pyramide, davor ein Hang mit Weinreben. Da war erstmal ein dickes „WOW“ auf meinen Lippen. Was ist das, so mitten im (n)irgendwo?

Schließlich wurden wir schlauer. Die Pyramide ist ein Teil der Gesamtanlage des Grafen von Schmettau. Dazu gehörte noch ein Schloss und ein Landschaftpark. Die Pyramide sollte eigentlich auf das Schloss zeigen, gut, davon war jetzt nichts mehr zu erkennen. Am Ende stand die Pyramide mitten im Wald. Die Weintrauben waren aufjedenfall sehr lecker.

Für uns war aber hier noch nicht Ende. Ziel sollte heute der Sport- und Erholungspark in Strausberg sein. Das ist eine große Reise in die Vergangenheit für mich. Bedeutungsvoll. Früher waren wir immer von meinem Fußballverein aus dort im Trainingslager. Das war eine tolle Zeit. Mein Verein, meine Mannschaft und meine Trainerin waren für mich zu den schwersten Zeiten der aller größte Halt. Ich glaube heute, sie haben einen sehr großen Anteil daran, dass ich überhaupt noch hier bin. Die „Verpflichtung“ zum Training zu gehen und die Spiele am Wochenende waren für mich das einzige Stück Normalität, neben der Schule. Die einzigen Stunden aus der Hölle „Krebs“ auszubrechen und mich nicht mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen. ***Meine Finger ruhten gerade viele Minuten auf der Tastatur, wie schwer es mir fällt das alles aufzuschreiben…*** Wie stark ich damals war, keine Ahnung wie ich das geschafft habe und das im Alter von 13-16 Jahren. Wohl ein Grund, warum ich so bin, wie ich bin.

 

Ok, zurück zur Wanderung. Wirklich unproblematisch bekamen wir unser Zimmer in Haus 10. Ganz allein, etwas gruselig, so neben 10 weiteren, leeren Zimmern. 24,5km zeigte unser Tracker für heute an. Wir waren zufrieden. Nach einer heißen Dusche und einer kleinen Ruhepause, gab es noch ein Abendessen im Speisesaal. Würstchen, Stulle, Salat, Aufschnitt und Obst zum Nachtisch. Ich würde alles essen nach dem Wandern. Hunger treibt. 😉

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Am Abend lagen wir alle auf unseren Betten, unterhielten uns. Irgendwie schön, kaputt, aber glücklich. Und genau so schliefen wir dann auch ein… jeder in seiner Geschichte und ich ganz tief in meiner. Wenn mir eines bewusst wird, ich kann meine Geschichte selbst schreiben, kann alles beeinflussen und entscheiden. In meinem Leben möchte ich nie sagen wollen „Ach hätte ich mal“- NIEMALS.

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Süße Träume

Eure Annelie

 

 

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  1. Wieder ein sehr schöner Beitrag von Dir. Die Gedanken, was kann der Baum wohl alles erzählen, wer hat dort wohl schon alles gelebt und so weiter, befallen mir auf meinen Wegen auch immer wieder. Da ich ganz alleine wandere, begrüße ich aber auch Tiere unterwegs und „Rede“ mit ihnen. 🙂
    Ein schönes Wochenende wunscht Dir
    Eddy, der glückliche Rentner

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