Tag 2 – Der Tanz mit dem weißen Wolf

Da taumelte ich am Morgen in Richtung Badezimmer. Ich hatte gut geschlafen, etwas kalt war es nur. Da steig mir schon der Geruch von frischem Kaffee in die Nase. Jonas war bereits eine ganze Weile auf, deckte für uns drei den Frühstückstisch, kochte Kaffee und begrüßte mich mit einem lieben „Guten Morgen“. Auch wenn der Blick aus dem Fenster wiiiirklich finster aussah, es regnete und stürmte, ich war guten Mutes. Dass wir später in wirklich mysthische und gefähliche Situationen kommen werden, wusste ich bis dahin noch nicht. Gut so. Nun, nach einem ruhigen Frühstück, waren wir mit Frau Scheffler verabredet. Sie wollte uns die kleine Kirche in Sieversdorf zeigen, praktisch eine Privatführung und uns dann mit einem Pilgerseegen auf den Weg schicken. Es hieß regenfest anziehen. Regenjacke, Poncho, alles was irgendwie gegen Wind und Wasser schützen könnte.

Die Kirche in Sieversdorf hat eine lange Geschichte. Spannend, was Frau Scheffler alles erzählen konnte. Sie berichtete viel über den Altar, dieser sei schon mehrfach wiederhergestellt worden. Was damit wohl schon alles passiert ist. Frauen wurden zu Männern „umgestaltet“, alles inzwischen aus verschiedensten Materialien gebaut, erweitert, verkleinert und dann doch wieder neu gebaut. Wer da wohl alles schon seine Hände dran hatte. Jahrhunderte stecken da drin. Abschließend erhielten wir den Pilgerseegen und konnten uns auf den Weg ins Abenteuer machen. Und so sollte es auch werden.

Nach den ersten Kilometern durch matschigen Wald, stießen wir auf eine Art Feldweg, links einige Häuser, rechts Feld. Jonas lief ganz vorne und blieb plötzlich stehen. Zwei weiße Wolfs-Hund- Tiere (Wir wissen bis jetzt nicht was für eine Art Mischling das war), rannten mit angezogenen Ohren auf uns zu. Mir blieb das Herz stehen. „Wölfe!“ rief Jonas. Einer der beiden Wölfshunde lief aufs Feld, der andere rannte um uns herum, sprang uns an und schien uns zu begutachten. Wir schienen nicht in sein Beuteschema zu passen, zumindest hat er niemanden gebissen. Ohje, mir zitterten die Hände, ich versuchte zwar Ruhe zu bewahren, aber dachte mir immer wieder „der kann merkt eh, dass du Panik hast“. Langsam liefen wir weiter, ohne uns ruckartig zu bewegen, praktisch fliegend, als wären wir garnicht da.

Unser Wolfshund sollte ab jetzt unser Begleiter sein. Für die nächsten Stunden.

Der Weg führt uns nun über Feldwege. Der Sturm pustete mir den Regen unter den Poncho, es prasselte so stark, dass es glatt im Gesicht weh tat. Mir tun in solchen Situationen immer meine Mitläufer leid. „Ohje, in was habe ich uns jetzt gebracht, wir sind doch nur wegen mir hier.“, denke ich häufig. Ja ich weiß, sie sind alle freiwillig mit, aber doch sind es irgendwie meine Schützlinge und ich möchte, dass sie alle heile mit mir ankommen. Ich bin jedes Mal erstaunt, dass niemand, aber wirklich NIEMAND meckert, flucht oder Schuld verteilen will. Alle sind wir ruhig, in uns, kämpfend gegen Sturm, Regen und Kälte. 4,5h laufen wir im eisigen Regen. Das nette Angebot von Jonas für einen Kaffee Halt zu machen, lehne ich dankend ab, ich bin schon nach 2h nass bis auf die Haut.

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Die letzten 4km zieeeehen sich. Ich laufe ganz hinten, Jonas und Bärbel vor mir. Nur einmal wurde ich etwas laut, nachdem mich Jonas zum 5. Mal fragte wo wir denn lang müssten: „Habe ich das Wort NAVI auf meiner Stirn stehen? Keine Ahnung, such die Muschel!“. Im nächsten Moment tat es mir glatt Leid und ich entschuldigte mich später für den rauen Ton. Jonas lächelte nur und nickte ab.

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Gegen 14:30 Uhr kamen wir endlich und dann doch relativ plötzlich am „Naturcamp am See“ an. Thommy, der Inhaber mir seiner Frau Jana, empfang uns herzlich. Er hatte bereits die Herberge wirklich warm geheizt, uns „gute“ Erbsensuppe aus der Dose und Bockwürste, bereitgestellt und Tee gekocht. Der Pilger nimmt ja was er bekommt. Ich wollte nur noch unter die Dusche und aus meinen Sachen raus, die ich inzwischen auswringen konnte.

Nun hatten wir auch endlich wieder WLAN und so einige sorgenvolle Nachrichten erreichten uns. Wir hatten bis dahin noch nichts von dem Chaos in Berlin und der Sperrung der BVG/S-Bahn gehört. Da waren wir ja wirklich besser zu Fuß unterwegs. 😉

Den Nachmittag und Abend verbrachten wir mit netten Gesprächen, Essen (und davon viel), Kartenspielen und Musik hören. Der Sturm brauste, der Regen platterte, doch ich fühlte mich wirklich gut und so ging es dann doch nicht allzu spät ins Bett, verdient, nun endlich warm und wieder ausgeruht. Tag 3 kann kommen!

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BUEN CAMINO*

Annelie

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